SZ 02.07.2026
17:25 Uhr

Kolumne  „Schön doof“: Kartoffeln kaufen mit Joshua Kimmich


Eine ZDF-Doku gibt Einblick in den Familienalltag des Fußballstars. Kann es sein, dass der deutsche Kapitän noch nie einen Supermarkt von innen gesehen hat?

Kolumne  „Schön doof“: Kartoffeln kaufen mit Joshua Kimmich
„Wenn ich etwas brauche, gehe ich bei uns einfach an den Kühlschrank“: Kapitän Joshua Kimmich. Federico Gambarini/dpa

In Sachen Realitätscheck war die Fußballwoche eigentlich hart genug. Und Dresche für die WM-Performance der Nationalmannschaft gab es reichlich. Trotzdem schaffte es Kapitän Joshua Kimmich, zusätzliche Kritik auf sich zu ziehen – und zwar außerhalb des Fußballplatzes.

Das Ehepaar Kimmich hatte unvorsichtigerweise ein Kamerateam des ZDF mit zum Einkaufen genommen, für eine Dokumentation  („Kapitän Kimmich“), die Privates offenbaren soll und nun den Eindruck erweckt: Der Fußballer steht zwar gerade für eine Valensina-Kampagne als Pappkamerad in jedem zweiten Supermarkt, scheint aber im richtigen Leben noch nie in einem solchen gewesen zu sein. Sein TV-Auftritt an der Gemüseauslage ist von so rührender Offenheit, dass es kein Wunder wäre, würde sich die Valensina GmbH fragen: Ist der Fußballer das richtige Testimonial? Könnte er im Zweifel Orangensaft von Bacardi-Cola unterscheiden?

Im Supermarkt vor der Kamera scheitert Kimmich schon an der Wahl der richtigen Kartoffelgröße. Was auch daran liegt, dass er sonst nie einkaufen geht. „Wenn ich etwas brauche, gehe ich bei uns einfach an den Kühlschrank“, gesteht er. Und seine Frau Lina erklärt, dass sie lieber allein Besorgungen macht, da ihr Mann gar nicht beurteilen könne, was gebraucht wird: „Der hat ja keine Ahnung, was bei uns im Kühlschrank liegt.“

Auf Social Media herrscht seit einigen Tagen Fassungslosigkeit über dieses Ungleichgewicht bei der Care-Arbeit, zumal in einer Vorbildfamilie mit vier Kindern. Die Community ist gespalten. Die meisten finden, ein erwachsener Mann sollte in der Lage sein, für seine Familie einzukaufen. Andere, meist Männer, haben Verständnis, schließlich müsse sich Kimmich auf den Fußball konzentrieren.

Richtig ist beides. Denn so selbstverständlich faire Arbeitsteilung sein sollte, so wenig kann der Einblick in den Alltag eines Fußballstars überraschen. Wer bitte glaubte bisher ernsthaft daran, dass der nette Manuel Neuer zu Hause den Geschirrspüler ausräumt oder man den effizienten Kai Havertz in London am Altglascontainer trifft? Joshua Kimmich gilt nicht als abgehoben. Dass er nach dem Training nicht noch in den Edeka an der Säbener Straße springt – geschenkt, wer will schon Tumult vor dem Orangensaftregal? Das wahre Versäumnis von Kimmich (und seinen Beratern) ist, dass sie die fatale Wirkung dieses Auftritts nicht begriffen haben, zumal für einen Vorbildfußballer wie den Kapitän der Nationalmannschaft.

„Sie bringt mich immer zurück auf den Boden“, sagt Joshua Kimmich in der ZDF-Doku treuherzig über seine Frau. Vielleicht sollte Lina Kimmich ihrem Mann nicht nur das Einkaufen beibringen, sondern auch ein wenig strategisches Denken. Schon damit wir endlich mal einen Titel holen.

Als Kulinarik-Redakteur weiß der Autor: Die Kartoffelgröße hat selten Einfluss auf die Güte von Kartoffelgerichten.

Wie der Sänger und die Eisstockschützen des österreichischen ESV Hilkering zusammenfanden.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: